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Big Boss
in der Hexenküche |
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Painter‘s Threads werden von der Tentakulum Manufaktur ausschliesslich in Handarbeit hergestellt. Die verwendeten Farbpulver sind sogenannte Faser-Reaktiv-Farben. Reaktiv deswegen, weil sie mit der Faser „reagieren“, d.h. eine neue chemische Verbindung eingehen. Hierdurch garantieren Sie eine hohe Farbbeständigkeit, gute Fixierfestigkeit und hohe Auswaschbarkeit der Farbüberschüsse.
Hieraus erklärt sich jedoch auch, warum jedes Material die Farbe unterschiedlich wieder gibt. Seide z.B. gibt die Farbe braun meist als rötlichen Ton wieder, während Baumwolle das braun heller wirken lässt als Viskose. Pflanzliche Fasern werden basisch fixiert, tierische Fasern sauer, dies verstärkt ebenfalls den unterschiedlichen Farbton von z.B. Seide und Baumwolle.
Das Wort „hoch“ bei der Farbbeständigkeit muss man nun allerdings beim Handfärben etwas relativieren. Handfärber dürfen nur bedingt chemische Zusätze verwenden, die die Farben noch besser im Garn verankern. Bei der industriellen Färbung wird die Farbe mit Hochdruck in die Garne „geschossen“, dringt also tiefer in die Fasern ein und kann so mehr Atome der Faser „bitten“ sich mit ihr zu einer Verbindung zusammen zu tun. Bei der Handfärbung wird die Farbe auf die Oberfläche des Garnes aufgetragen und hierdurch nur mit so viel Druck in das Garn gepresst, wie der dahinter stehende Mensch ausüben kann. Es bleiben also automatisch mehr Faser- und Farbmoleküle in ihren alten Verbindungen. Irgendwie im Gegensatz zu modernen menschlichen Beziehungen.... Diese Moleküle haben dann offensichtlich keine Lust mehr, weiter beim Garn zu bleiben und waschen sich einfach aus…. Und wieder diese Ähnlichkeit mit menschlichen Verhaltensweisen..... . Natürlich sehr zum Leidwesen von hellen Stick-Untergründen und im gleichen Waschgang befindlichen weissen T-Shirts, die dieses Verhalten der Moleküle gar nicht mögen.….
Am besten kann man den Unterschied zwischen industriell gefärbten und handgefärbten Garnen erkennen, wenn man die Garne durchschneidet: handgefärbte Garne, vor allem, wenn es sich um dickere Garne handelt, haben meist einen „helleren“ Kern, da die Farbe nicht alle Fasern durchdringt.
Menschen können nicht die gleiche Präzision liefern, wie Maschinen – glücklicherweise! Ist es nicht gerade ein künstlerisch inspirierender Moment, wenn ich immer wieder unterschiedliche Farben entdecken kann, obwohl sie eigentlich gleich sein müssten? Heide Stoll-Weber, eine international renommierte Künstlerin, die eine wunderschöne handgefärbte Stoffkollektion entwickelt hat, sagte einmal zu mir: und dann ist es immer so spannend, wenn man vor der Waschmaschine wartet und nicht weiss, wie der Stoff heute wieder heraus kommt!
Der Mensch kann natürlich auch beim Auftragen der Farben nicht so exakt arbeiten wie eine Maschine. Wenn ich drei Farben auf ein Garn auftrage, ist es verhältnismässig einfach, die Abstände relativ gleich zu halten…ich kann aber die Farbe nicht davon abhalten, ganz schnell in einen Bereich zu laufen, den ich eigentlich schon mit einer anderen Farbe eingefärbt habe oder noch einfärben wollte. Und schon wird aus dem gelb und rot ein orange, oder dem gelb und blau ein grün.
Handfärber sind Künstler wie die, die unsere Produkte dann verwenden. Wir mögen nicht wirklich die immerwährende Gleichheit unserer Produkte und möchten viele andere Nadel-ArbeiterInnen dazu anregen, sich auf die vielen Variationen einzulassen, die der Einsatz von handgefärbten Materialien möglich macht. Und die individuellen Ergebnisse, die sich hiermit erzielen lassen.
In einer Zeit, in der Globalisierung heisst, dass ich auch noch im hintersten Winkel der Welt MacDonalds oder H&M und Aldi finde, sollten wir uns alle auf unsere ganz eigene Individualität rück-besinnen. Die Arbeit mit handgefärbten Materialien ist ein Weg dorthin.
Ebenso nimmt jedes Material die Farbe unterschiedlich auf. Sogar Fasern aus dem gleichen Grundmaterial geben die Farben unterschiedlich wieder, je nachdem wie Ihre Verarbeitung ist (gesponnen, Filament, gedreht usw.). Das Rot in der Farbe "Frida" ist z.B. eine sehr dominate Farbe, die das blau fast vollkommen schluckt. Für "Kandinsky" z.B. verwenden wir blau, gelb und rot in einem Strängchen, was es sehr schwer macht, das gelb "sauber" zu halten, d.h. dass auch nach dem Waschen noch gelbe Spots zu sehen sind.
Auch das Ergebnis beim Nachwaschen können wir nicht beeinflussen, das Wasser läuft nun einmal immer nach unten. Auch hierbei werden noch Farbstoffe transportiert, die die Farben wiederum verändern.
Je kleiner die Abschnitte sind, auf die eine Farbe aufgetragen wird, verlaufen viel stärker miteinander als nur zwei oder drei nebeneinander liegende Abschnitte.
Die Farben enthalten oft auch Pigmentteile, die für unser Auge nicht wirklich wahrnehmbar sind, sich dann aber beim Waschen „voll entfalten“. Da sitzt dann plötzlich ein brauner Fleck mitten im Rot oder ein blauer Fleck mitten im Braun. Bei unserer Färbemethode, die wir mehr ein „Bemalen“ als ein Färben nennen, werden die Strängchen mehr oder weniger einzeln behandelt, die Verteilung der Farben variiert also von Strängchen zu Strängchen. Da es jedoch keine harten Grenzen gibt und jedes Strängchen die gleichen Farben enthält, passen sie immer zu einander. Auch wenn das blau mal dunkel mal hell ist, das rot mal mehr pink, mal mehr magenta. Sie lassen sich auch wunderbar mit uni-farbenen Garnen mischen, die ausgesuchten Farben passen meistens, auch wenn sich die Schattierung der Painters Farbe verändert hat.
TIPP: immer ein oder zwei Döckchen mehr kaufen, damit nicht zum Schluss ein paar Fäden eines Farbbades fehlen. Mit den Resten können Sie mit ein paar Stichen ganz schnell kleine Kunstwerke für sich oder andere arbeiten. |
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Es gibt viele Dinge, die das Ergebnis eines Färbebades beeinflussen, die nichts mit der künstlerischen Kreativität des Färbers zu tun haben: die Beschaffenheit des Wassers (weiches Wasser ergibt kräftigere Farben), die Luftfeuchtigkeit (hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Farben besser in textiles Material eindringen), die Vorbehandlung der Garne (bei z.B. Baumwolle kann der Anteil der Mercerisierungslauge auf der Faser variieren und die Farbreaktion beeinflussen) und nicht zuletzt der Kosmos: Wurzeltage sind ganz schlecht, Blütentage gut für Baumwolle, Fruchttage gut für Seide....glauben Sie mir, ich habe es monatelang getestet!...und vieles mehr.
Die Farbpulver, die wir nun einmal benötigen, sind ebenfalls nicht gleichbleibend. Da ist die Farbe „Jade“ einmal mehr jadeblau, einmal mehr jadegrün, die Farbe „Zitrone“ einmal mehr gelb, einmal mehr grüngelb.
Auch die Beschaffenheit der Farben wechselt schon einmal von Lieferung zu Lieferung: was vormals ein Gefühl von gefärbtem Sand hatte, ist beim nächsten Mal mehr dem Mehl ähnlich. Viele von uns Handfärbern arbeiten nicht mit Gramm, die Messgenauigkeit ist hier mit „normalen“ Waagen nur schwer zu erreichen und sehr aufwändig, sondern mit Löffelmaßen. Nun ist aber ein Löffel Sand viel schwerer als ein Löffel Mehl und Mehl weigert sich oft ziemlich konstant, sich vernünftig aufzulösen…. und schon sind alle Tests quasi für die Katz gewesen!
Viele von Ihnen kennen die bekanntesten Faser-Reaktiv-Farben „Procion MX“ – MX steht für Mischung. Es gibt nur wenige reine Farben. Obwohl diese Mischungen von Maschinen hergestellt werden, können auch diese Mischungen variieren. Um eine bestimmte Farbnuance zu erzielen, mischen wir uns aus diesen Misch-Farben nun auch noch einmal unsere Favoriten zusammen. Und wenn Sie sich nun z.B. vorstellen, dass wir eine Mischung aus zwei sandartigen Farben verwenden, und eine dieser beiden Farben ist dann plötzlich mehlartig…..das Verhältnis muss dann ganz neu ermittelt werden. Die Mischung kann auch nicht gleichmässig geschüttelt werden, da sich die schwerere Farbe natürlicherweise immer nach unten senkt. Für unser Auge sieht dann erst mal alles „so aus wie immer“, das endgültige Ergebnis ist dann doch etwas anders…. |